Das zweite Hydrologenparadies - Die Esteros de Iberá

28.07.2016 02:40

 

 

11.07.2016 - Unser nächstes Ziel waren die Esteros de Iberá, ein großes Feuchtbiotop in der Provinz Corrientes, nördlich von Buenos Aires. Dort gibt es viele Tiere, wie Wasserschweine, Kaimane und eine ganze Anzahl bunter Vögel. Dieses Gebiet soll vom Tourismus noch verschont und eher ein Geheimtipp für Argentinienreisende sein. Perfekt für uns, dachten wir und planten dort einen Zwischenstopp ein. So fuhren wir Sonntagabend von Buenos Aires nach Mercedes Corrientes.

Dort kamen wir morgens um sieben Uhr mit einer Stunde Verspätung an. Die Stunde Verspätung war uns ganz recht, denn wir mussten den Vormittag in dem Nest herumschlagen. Gut geschlafen haben wir nicht, obwohl wir mit einem Cama-Bus unterwegs waren (also erste Klasse, die war nämlich mal wieder nur ein bisschen teurer als die zweite) und es zum Abendbrot Wein, Likör aus Dulce de Leche und Whisky gab. Wir hofften, dass der Alkohol uns gut schlummern lässt, aber der Busfahrer bremste so oft, dass wir regelmäßig von unseren bequemen Ledersitzen rutschten und wach wurden.

Im Terminal gab es einen überdachten Wartebereich. Die kleinen Verkaufsläden für die Bustickets machten erst um neun/halb zehn auf und so tranken wir ganz traditionell erstmal einen Mate. Der war natürlich dabei! Caro und ich zogen los, um ein bisschen Verpflegung zu besorgen. Wir wollten am Mittag weiter nach Colonia Carlos Pellegrini (der einzige Ort in dem Feuchtgebiet) und dort sollte es nicht so viele Möglichkeiten geben, Essen einzukaufen. Kristin blieb zurück und bewachte unser Gepäck. Mercedes war ein Dorf und das merkte man auch. Überall liefen Menschen in traditioneller Gaucho-Kleidung herum, die Häuser waren klein und die Straßen gerade so befestigt. Hunde streunerten umher (natürlich blieben wir auch hier nicht ohne Hundebegleitung ;) ), Hühner pickten herum und ab und zu kam ein Pferd vorbeigeschitten. Obstbäume blühten und allgemein war alles sehr frühlingshaft. Und das mitten im Winter. Wir liefen ein Stück die Straße entlang und fragten dann schließlich einen Mann, welcher gerade in seinem Gärtchen arbeitete, ob es einen Supermarkt oder Lebensmittelladen in der Nähe gibt. Er schickte uns zur Straße San Martín...natürlich, da hätten wir auch selber drauf kommen können...die Straßenamen sind hier in jeder Ortschaft doch recht ähnlich und eine Straße mit dem Namen San Martín ist vergleichbar mit einer Hauptstraße in unseren Dörfern in Deutschland. Wir fanden einen Supermarkt, kauften Obst in einem Obsthandel, Brot und Chipas in einer Bäckerei und Paprika in einem Gemüsehandel. Vollbepackt mit Tüten kehrten wir zu Kristin zurück.  Mittlerweile hatten die Verkaufsläden für die Bustickets geöffnet und wir fragten nach einem Bus, der uns nach Colonia Carlos Pellegrini bringen kann. Aber Busse gab es heute nicht, es hatte die Nacht geregnet und die Straße war für Busse nicht passierbar. Von der schlechten Straße hatten wir schon im Reiseführer gelesen, aber wir haben gehofft, ein bisschen Glück zu haben. Wir fragten nach einer anderen Möglichkeit, Pellegrini zu erreichen und wurden zu einer privaten Minibusagentur geschickt. Dort sollte auch innerhalb von 15 Minuten ein solcher Bus abfahren und wir kauften schnell drei Tickets für uns. Natürlich waren diese viel teurer als der normale Bus. Es war auch sehr kompliziert, Informationen aus den Einheimischen herauszubekommen. Sie antworteten entweder gar nicht oder sehr einsilbig. Typisch Dorf eben. Aber wir hatten Tickets, flitzten zurück zum Terminal und holten dort Gepäck und Caro ab (sie war diesmal dran mit Gepäck bewachen). Die Viertelstunde war natürlich eine argentinische, aber Zeit haben wir ja genug.  Als der Bus dann kam, wurde unser Gepäck auf's Dach gepackt und wir quetschten uns mit unserem Handgepäck in den kleinen Bus.

Wir fuhren durch eine sehr landwirtschaftlich geprägte Gegend. Die Hütten wurden immer spärlicher und die Landschaft glich einer Graslandschaft mit kleinen Bäumchen, Seen, Wasserläufen und jede Menge Pfützen. Überall weideten Rinder, Schafe und Pferde, wir sahen viele Vögel und vereinzelte Ñandus. Die asphaltierte Straße endete bald und vor uns erstreckte sich ein Matschparadies erster Sahne... weit kamen wir natürlich nicht. Ein Auto steckte im Matsch fest und es gab Stau. Die Tratsch-Ömchen hinten im Bus untersuchten und kommentierten den Vorgang der Befreiung im Live-Stream.  Wir sahen zwar nix, aber die Tratsch-Ömchen wussten natürlich voll Bescheid...mehr als wir konnten sie aber auch nicht sehen. Die angesammelten Pickups versuchten, die Fahrbahn zu glätten (zumindest sah es für uns so aus, denn auch sie hatten  Probleme, durchzukommen) und dann versuchten sie, das feststeckende Auto aus dem Schlamm zu ziehen. Irgendwann war es dann auch draußen, unser Busfahrer gab Gas, wir hielten uns gut fest und rutschten durch die Schlammpfütze...

Der restliche Weg war zwar sehr holprig, aber relativ trocken, sodass wir gut vorankamen. Auf der Fahrt entdeckten wir schon die ersten Wasserschweine, die am Straßenrand fraßen und einige kleine Rehe. Überall fanden sich vereinzelte Estancias und Rinder weideten auf den Ländern.

Irgendwann erreichten wir einen Damm, der einen riesigen See in zwei Hälften teilte...wir hatten die Esteros erreicht, so nannte man diese Seen und Feuchtwiesen hier. Unser Fahrer fragte uns nach unserer Unterkunft. Wir hatten noch keine, da ein Freund uns erzählt hatte, dass es jede Menge gibt und wir nicht reservieren müssen. Aber das kleine Dorf war sehr weitläufig und alle unsere Mitfahrer wurden an ihrer Unterkunft herausgelassen. Eine Empfehlung für eine Unterkunft konnte uns unser Busfahrer nicht geben. Ich schnappte schnell unseren Reiseführer und suchte eine gute günstige Unterkunft, nannte diese dem Fahrer und wir ließen uns dort hinfahren. Uns empfing eine ältere und sehr freundliche Frau. Wir bekamen ein Dreibettzimmer und setzten uns erst einmal zu ihr in den Hof. Das Haus hatte einen überdachten Bereich und in der Ecke lag ein Berg Mandarinen..also wirklich ein Berg. Die durften wir auch kosten und sie waren unglaublich lecker. Unsere Wirtin war gesprächiger als die Menschen in Mercedes und so erfuhren wir z.B., dass gerade Hauptsaison ist (im Sommer ist es viel zu warm), es in dem Dorf eine Schule gibt und sie selber hier schon immer gelebt hat. Warmes Wasser für die Dusche gab es nur frühs und abends und so zogen wir uns nur um und schauten ein wenig im Dorf umher. Die Ruhe tat uns sehr gut, wir hörten fremdes exotisches Vogelgezwitscher und hier wuchsen viele uns unbekannte Pflanzen. In den Gärten standen Orangenbäume und bald streunerten auch die ersten Hunde mit uns mit. Kinder kamen auf Pferden vorbeigeritten, einige Familien hatten eine Terrasse mit einem kleinen Restaurant oder einer Bar. Aber sehr dörflich und familiär.

An der Touristeninformation fanden wir eine Karte, unsere Fragen konnte die Mitarbeiterin aber nicht beantworten. Am Campingplatz reservierten wir uns drei Plätze für eine Bootstour am nächsten Morgen und verbrachten dann den Nachmittag am Steg mit einem leckeren Picknick. Und Mate :) Am  Abend schauten wir uns den Sonnenuntergang an und machten uns auf den Heimweg, es wurde nämlich sehr viel kühler. Die Geräuschkulisse war unglaublich, es klang wie die Geräusche, die immer in den Tropenhäusern im Zoo eingespielt werden. In unserer Unterkunft wartete die Vermieterin mit einem Abendbrot auf uns, es gab ein Stück Fleisch mit Salat und einer sehr leckeren Tortilla. Dann plumsten wir todmüde ins Bett.

12.07.2016 - Der Morgen startete mit einer kalten Dusche. Warmes Wasser gab es nicht wirklich. Unsere Sachen waren etwas klamm, die Luftfeuchtigkeit ist hier sehr hoch. Das tat unseren ausgetrockneten Wüstennasen und -lungen ziemlich gut. Weniger gut war das aber für die Betten, die Kissen waren leicht geschimmelt. Wir hatten die Nacht im Schlafsack geschlafen. Auch die frischen Brötchen, die es gestern zu dem Abendbrot gab, schmeckten leicht modrig. Die gab es heute morgen getoastet mit Aprikosenmarmelade und Butter. Da schmeckten sie schon besser. Dazu gab es Kaffee und frisch gepressten Mandarinensaft.

Gut gesättigt machten wir uns auf den Weg zum Campingplatz, um mit einem kleinen Motorboot Flora und Fauna der Esteros zu entdecken. Die Bootstour dauerte ca. zwei Stunden und wir fuhren am Schilf entlang und konnten Kaimane, Wasserschweine und jede Menge Wasservögel beobachten. Das war schon sehr faszinierend und für uns eine sehr fremde Tierwelt. Die Tiere waren überhaupt nicht scheu und liefen oder schwammen nicht davon, wenn wir in unserem Boot ankamen. Es war auch noch nicht sehr warm und die Kaimane daher noch sehr träge. Wir sahen auch eine Kaimanmutti mit drei Jungen. Diese waren etwas mehr als ein Jahr alt und noch sehr klein. Kaimane können sehr alt werden, bis zu 80 Jahre. Sie wachsen sehr langsam und wir sahen nur wenige große Tiere. Die Wasserschweine leben auch im Schilf und im Wasser und sind ziemlich gechillte Tiere. Sie fressen oder schlafen den Tag über. Im Schilf hinterlassen sie breite plattgetrampelte Wege.

Am Ende der Bootstour fragten wir, ob uns unser Bootsführer direkt am Nationalparkzentrum herauslassen kann. Dort war ein Steg, welcher durchs Schilf führte und da konnten wir ebenfalls Wasserschweine und Kaimane beobachten. Der Steg endete etwas abrupt, da er noch nicht ganz fertig war und wir machten eine Picknickause mit Mate. Leider lief mein Trinkgefäß aus. Es war wohl kaputt :(

Auch als wir zurück zum Nationalparkzentrum liefen, lagen die Kaimane und Wasserschweine noch genauso da wie vorher. Uns kam langsam der Verdacht, dass die Tiere entweder trainiert waren oder gar sehr gut animierte Attrappen. Sie haben keine Fluchtinstinkte vor dem Menschen und gammeln den ganzen Tag in der Sonne. Natürlich kann es auch einfach sein, dass sie keine schlechten Erfahrungen mit Menschen gemacht haben und diesen nicht als Feind sehen und ihn daher in ihrer Nähe akzeptieren. Es war spannend, die Tiere aus nächster Nähe beobachten zu können. Im Nationalparkzentrum gab es nicht sehr viel zu sehen, wir blätterten in einem Tierführer, um die spanischen Bezeichnungen der gesichteten Tiere zu erfahren. Wir spendeten ein paar Pesos und dann machten wir einen Spaziergang im gegenüberliegenden Affenwald. Aber die Affen machten gerade Siesta und wir fanden leider nur den Affen Bruno im Baum. Die echten Brüllaffen versteckten sich und hielten Mittagsschlaf. Wir gingen wieder zurück zu unserer Unterkunft, auf dem Weg dorthin beobachteten wir ein kleines Reh und mal wieder jede Menge Wasserschweine. Die lagen da überall herum und sonnten sich oder fraßen. Selbst auf dem Gelände vom Nationalparkzentrum.

Am späten Nachmittag machten wir uns wieder auf den Weg zum Campingplatz. Am Abend fand eine Nachtwanderung statt und man versprach uns, einige nachtaktive Tiere sichten zu können. Wir reservierten unsere Plätze und schauten uns den Sonnenuntergang am See an. Kurz vor sieben Uhr wurden wir von einem Guide abgeholt und zur Kreuzung gebracht, wo wir auf den Jeep warteten.  Auch er wohnt mit seiner Frau in dem Dorf und wir erfuhren, dass neben dem ca. 150 km entfernten Ort Mercedes auch eine ungefähr eben solange Straße nach Norden in Richtung Posadas führt. Die solle aber noch schlechter sein als der Weg nach Mercedes.

Bald darauf kam unser Jeep mit einer lustigen Gruppe älterer Leute. Kristin fand noch einen Platz auf der Bank der Ladefläche und Caro und ich bekamen die Stehplätze auf dem "Trittbrett" der Ladefläche...also hinten am Nummernschild. Sowas wollten wir schon immer mal machen. Wir hielten uns fest und los ging es. Aber weit kamen wir nicht, schon auf dem Damm hielten wir. Caro und ich waren natürlich die ersten, die vom Pickup sprangen und eine kleine Bergkatze entdeckten, die sich gerade einen Piranha geangelt hat. Sie schaute zwar etwas skeptisch in die Taschenlampe, aber rannte nicht weg. Auch trainiert, dachten wir ;) Wir sprangen wieder hinten auf's Auto und fuhren zum Nationalparkzentrum. Von dort ging es weiter zu Fuß. Wir liefen erst über den Steg, an dem wir schon am Morgen Kaimane und Wasserschweine beobachtet haben. Der große Kaiman war nun weg und auch die Wasserschweine schliefen wohl. Ein einziger Kaiman streckte sein Kopf aus dem Wasser, aber tauchte dann, vom Licht gestört, ab. Trotzdem war es schön, im Dunkeln über den Steg zu laufen. Das Schilf raschelte und ein paar Grillen zirpten noch. Über uns leuchtete ein atemberaubender Sternenhimmel. Hier gab es so gut wie keine Lichtverschmutzung, lediglich die Lichter des 150 km entfernten Mercedes ließen den Nachthimmel ein wenig heller erscheinen.

Wir liefen noch einen kleinen Rundweg im Wald,  entdeckten aber auch keine Tiere. Aber am Nationalparkzentrum saßen dann zwei Füchse und stritten sich um ihre Beute. Ein paar Wasserschweine wackelten auch herum.  Wir waren gerade wieder auf dem Weg zurück zum Pickup (Caro und ich waren natürlich mal wieder die letzten... die anderen brauchten ja nur ein Beweisfoto und waren schon zurück am Auto), da stolperte Caro regelrecht über eine kleine süße Bergkatze, die hinter uns schnurrte. Sie lief zum Auto und wir waren etwas verdaddert über ihre Zutraulichkeit. Aber als sie dann zu einem dort warteten Parkranger lief und die beiden vertraulich ihre Köpfe aneinander stupsten, verstanden wir ihr Verhalten. Das war total süß, die beiden. Er streichelte sie aber nicht, sie schmusten nur mit ihren Köpfen. Auf Nachfrage erzählte er uns, dass er sie als Kätzchen in Mercedes gefunden hat und per Hand aufzog. Sie lebt zwar jetzt wieder im Wald, kommt ihn aber immer wieder besuchen. Sie wird zur Zeit auch gefüttert, weil sie Junge hat und schon alt ist.

Wir stiegen wieder ins Auto, Caro und ich saßen nun auch auf einer Bank auf der Ladefläche. Mit einem Scheinwerfer fuhren wir ein Stück die Straße entlang und suchten nach Tieren. Aber mehr als Wasserschweine und ein paar Hirsche gab es nicht. Auf der Rückfahrt kreuzte ein Aguará popé, eine hiesige Waschbärenart unseren Weg und verschwand im Busch. Den Namen mussten sie uns fünfmal sagen, bis wir in verstanden und einigermaßen richtig aussprechen konnten. Am Campingplatz stiegen wir dann aus und bezahlten. Wir suchten uns ein kleines Restaurant und tranken ein Bier und teilten uns eine Pizza. Auf dem Tisch lagen zwei Tierführer und wir suchten und notierten uns die heute gesichteten Tiere.

13.07.2016 - Zum Frühstück gab es heute frisch gebackenen Zitronenkuchen und Chipas. Chipas sind kleine Kullern aus Maniokmehl, Käse, Ei und Wasser, die im Ofen gebacken werden. Alles sehr sehr lecker. Am Vormittag besuchten wir wieder den Affenwald, in der Hoffnung, dass die Brüllaffen morgens etwas aktiver sind. Und das waren sie auch. Ein schwarzhaariges Männchen saß über uns im Baum und schaute interessiert. Es kletterte über uns zu einer Palme, um dort ein paar Früchte zu naschen. Weiter hinten im Baum entdecken wir ein blondhaariges Weibchen. Wir blieben ganz still und beobachteten gespannt die Affen. Durch unsere Ruhe kamen sie doch immer mal etwas näher, aber in regelmäßigen Abständen kam eine laut quatschende Familie von hinten, die mit ihren Freudenschreien beim Anblick der Affen (sowohl Eltern als auch Kinder) diese wieder vertrieben und dann enttäuscht weiterzogen, weil die Affen sich nun wieder versteckten. Das fanden wir etwas nervig. Natürlich gab es auch ruhigere Familien, die mit uns die Affen beobachteten.

Als wir genug gesehen haben, schauten wir noch einmal zum Steg und wanderten dann einen schönen Pfad entlang zu einigen Aussichtspunkten. Er war ziemlich matschig und wir mussten doch einige Umwege durchs Gebüsch und nasse Zehen in Kauf nehmen. Aber als wir dann an einer Aussichtspattform ankamen und ganz nah Wasserschweine und vermutlich auch einige Kaimane im Wasser beobachten konnten, waren die nassen Füße schnell vergessen. Es war ein Naturparadies und wir hofften, dass dies auch so bleiben wird. Ich habe irgendwo gelesen, dass geplant wird, die Straße von Mercedes nach Pellegrini auszubauen, um den Tourismus zu fördern. Aber das wäre für die Natur hier sicherlich nicht gut. Spätestens, wenn der erste Massentourist auf die Idee kommt, einen Kaiman zu streicheln...

Wir blieben dort eine ganze Weile, picknickten, tranken Mate und beobachteten die Wasserschweine, die dort ganz in Ruhe Gras fraßen. Auf dem Rückweg kamen wir wieder bei einem Touranbieter vorbei, welcher seinen Stand am Ortseingang hatte. Er verlangte höhere Preise für die Exkursionen als der Campingplatz und hatte daher wenig Kunden. Wir hatten auf der Suche nach einer Bootstour schon einmal bei im vorbeigeschaut und auch jetzt wollte er uns mit einem Angebot als Kunden gewinnen. Als er hörte, dass wir weiter nach Iguazú (also in den Norden) wollten, bot er uns einen Pickup mit Chauffeur an, der uns nach Posadas bringen könnte. Wir hatten schon im Reiseführer gelesen, dass man sich hier neben den öffentlichen Verkehrsmitteln mit Pickups zu den gewünschten Orten fahren lassen kann und dass das sehr teuer sei. Es wäre zwar eine sehr gute Abkürzung für uns, aber völlig überteuert (wir mussten so zurück nach Mercedes, von dort nach Corrientes und weiter nach Iguazú, diese Tour würde einen kompletten Tag in Anspruch nehmen, war aber günstiger als ein solcher Jeep). Als der Touranbieter merkte, dass wir eher abgeneigt waren, begann er, den Preis für uns zu senken. Und zwar so lange, bis es plötzlich gar nicht mehr teurer als unser geplanter Umweg war. Außerdem konnten wir erst um zehn los statt morgens um halb vier (die Busse fahren hier so zeitig, damit die Bewohner des Dorfes für ihre Bankgeschäfte pünktlich zur Öffnung der Bank in Mercedes sind). Das klang plötzlich sehr verlockend und so sagten wir zu.

Abends aßen wir wieder in unserer Unterkunft Abendbrot (es gab sehr leckeres Schnitzel mit selbstgemachten Pommes für Kristin und mich und Spinatravioli (sicherlich auch selbstgemacht) für Caro). Im Zimmer tranken wir die Reste unseres Weines und konnten endlich mal heiß duschen. Es war kalt draußen und auch im Zimmer war es nicht sonderlich warm, daher verkrochen wir uns auch bald in unseren Schlafsäcken.

14.07.2016 - Der Wecker klingelte und mit Entsetzen stellten wir fest, dass es regnete. Warum ausgerechnet heute, wo wir weiterrreisen wollten? Der eh schon schlechte Weg nach Posadas wird sich sicherlich in ein Matschchaos verwandelt haben und wir hatten Bedenken, hier wegzukommen. Ein ordentliches Gewitter zog über uns hinweg und es fing immer wieder an zu regnen. Aber unser Pickup kam überpünktlich (wir konnten gar nicht in Ruhe unseren Kaffee austrinken,  Überpünktlichkeit sind wir hier in Argentinien ja gar nicht gewöhnt). Auf unsere Frage, ob es denn heute möglich ist, nach Posadas zu gelangen, antwortete der Fahrer mit einem verschmitzten Lächeln: Mit drei hübschen Chicas doch immer. Da waren unsere Sorgen weg. Unsere Rucksäcke wurden wasserdicht hinten verstaut und los ging es. Wir fuhren drei Stunden lang die 120 km Richtung Posadas auf einer Matschstraße. Während dieser drei Stunden trafen wir ein Auto und einen Reiter. Wir fuhren durch Matsch und Wasser, teilweise sehr schief, aber unser Pickup kam überall ohne große Beschwerden durch. Manchmal schlingerten wir ganz schön, aber die Matschstraße war ja breit. Vereinzelt sahen wir wieder Estancias. Jeder grüßte und wurde zurückgegrüßt. Die Menschen wohnen sehr abgelegen und einsam. Wir sahen wieder viele Rinder, Pferde und Wasserschweine und auch einige amerikanische Weißstörche. Am Straßenrand lag auch ab und zu mal ein totes Rind oder Pferd und jede Menge Schädel und Gerippe. Die wurden schon von den Aasgeiern ausgefressen. Auf Nachfrage erklärte uns unser Beifahrer (sie waren zu zweit, vielleicht aus Sicherheitsgründen), dass die vielen Hügel auf den Wiesen Termitenhügel sind. Das waren ganze Städte aus Termitenhügeln. Ein toller Roadtrip. Als wir dann nach vier Stunden (wir brauchten wegen dem ganzen Matsch etwas länger) eine asphaltierte Straße und eine Tankstelle erreichten, mussten wir feststellen, dass wir noch lange nicht in Posadas sind. 130 km und zwei Stunden Fahrzeit lagen noch vor uns. Wir hatten für diese Strecke doch einen sehr günstigen Preis gezahlt.

Wir waren nun in der Provinz Missiones. Diese Region wurde früher von den Guaraní bewohnt und gilt als Wiege der Matepflanze. Schon die Guaraní tranken den Mate, der Brauch wurde von den Europäern übernommen. Auch in Paraguay und im Süden Brasiliens wird Mate getrunken, denn auch in diesen Regionen lebten die Guaraní.

Wir fuhren an riesigen Anbaufeldern mit Matepflanzen vorbei. Der gesamte Bedarf an Matekraut in Argentinien stammt von hier. Das sind immerhin ca. 6 kg pro Kopf im Jahr. Außerdem wird hier Holz verarbeitet, wir fuhren regelrecht durch Holzstädte, in denen viele Holzfabriken ansässig sind und alle Häuser aus Holz gebaut sind. Und rundherum begann der argentinische Regenwald. Alles sah ganz anders aus als das, was wir bisher von Argentinien gesehen haben. Endlich erreichten wir Posadas. Auf der anderen Seite des Flusses lag schon Paraguay. Wir hatten nach drei Tagen auch wieder eine Internetverbindung. Es war ganz schön, mal ohne zu leben, aber es wurde ja wieder Zeit, ein Lebenszeichen von uns zu geben.

Grüße aus dem Nirgendwo im Irgendwo!

Lisa