Todo caput!

25.11.2015 03:01

 

Wir erfuhren neulich, dass hier in Argentinien Sachen "caput" sein können: el auto caput, el horrario (Stundenplan) caput...alles caput bzw. todo caput. Bei uns ist zur Zeit auch einiges caput :)

1) Sprache caput

Ich bin zur Zeit etwas mit der Sprache verwirrt. Ich spreche manchmal die Leute hier auf Deutsch an, sage Füllwörter wie 'doch', 'genau'  oder 'Entschuldigung' (wenn Caro mich nicht darauf hinweisen würde, würde ich das gar nicht bemerken^^).  Manchmal aber sage ich auch ganze Sätze auf Deutsch. Und manchmal scheinen mich die Leute zu verstehen, entweder aufgrund der Situation oder weil sie die wenigen spanischen Wörter verstehen. So z.B. letzte Woche. Da gab es eine Feria Internacional, ein kleines Fest von und für die ganzen Austauschstudenten. Jede Nation stellte für ihr Land typische Dinge vor, zumeist Essen und Tänze. Unsere brasilianischen Mitbewohnerinnen haben die letzten Tage fleißig Tänze aus Brasilien geübt, u.a. Samba, welche sie dann aufführten. Auch die anderen lateinamerikanischen Länder hatten tolle Tänze vorbereitet, Rumba, Cueca (Chile), Chacarera (Argentinien)... und immer machten sie Stimmung und alle tanzten mit. Von den Europäern stellten nur die Franzosen ein französisches Lied vor und tanzten spontan ein bisschen dazu, im Vergleich mit den anderen sehr ruhig und steif und die Stimmung war ganz und gar nicht so motivierend wie die der Lateinamerikaner. Die Deutschen führten gar nix auf. Wir hatten uns nicht an der Planung beteiligt, weil wir zu der Zeit auf der Peninsula Valdés waren. Außerdem hatte jedes Land einen Stand mit leckerem Essen und Getränken. Es gab deutschen Kartoffelsalat, Brezeln, französische Crepes, ein paraguayanisches Hähnchengericht mit Mango, mexikanische Hühnersuppe... außerdem schenkte die Facultad de Ciencias Agrarias Fakultätswein und -sekt aus. Wir hatten im Fakultätsshop schon einmal Wein gekauft und fanden den sehr lecker (und er stammte von den Weinfeldern der Fakultät, auf denen wir auch immer mal in Viticultura waren). Der Mann am Ausschank fragte uns, was wir probieren möchten und ich antwortete ihm auf Deutsch, dass ich gerne den Vino espumante, also den Sekt probieren möchte...und den gab er uns auch^^ Im Allgemeinen wird unser Spanisch aber immer besser und Caro plappert mittlerweile auch ganz munter mit, seit sie einen Abend mal eine halbe Flasche Wein getrunken hat und wir einen sehr lustigen Abend zusammen mit den Brasilianerinnen hatten. Dafür wird unser Deutsch immer schlechter, Caro und ich reden miteinander Alemañol, d.h. wir mischen Deutsch und Spanisch. Unsere Sätze bestehen z.T aus deutschen, z.T. aus spanischen Wörtern, die deutsche Grammatik ist manchmal der spanischen ähnlich oder wir deutschen spanische Wörter ein. Schlimmer ist es mit unserem Englisch, da bereiten uns selbst die einfachen Sätze Mühe, weil wir automatisch Spanisch reden. Vielleicht bekommen wir noch den Satzanfang auf Englisch hin, aber der Großteil des Satzes ist dann wieder Spanisch.

2) Wetter caput

Ja, auch das liebe Wetter tut nicht, was es soll. Uns wurden hier hohe Temperaturen und 300 Sonnentage vorausgesagt. Aber was erleben wir stattdessen? Einen munteren Wechsel von kalten Regentagen (mit 12°C) und heißen sonnigen Tagen (mit 30°C). Davon haben wir ja schon immer mal mit berichtet. In Weinanbau erzählte uns man nun auch, warum. Schuld ist das meteorologische Wetterphänomen El Niño. Dieser tritt circa alle zwei bis sieben Jahre auf und führt zu einer Veränderung der vorherrschenden Windrichtungen über dem Pazifik. Dieses Jahr ist ein besonders starker El Niño. In Mendoza gibt es dadurch eigentlich keinen normalen Frühling, die Temperaturen sind viel zu niedrig und in den Bergen liegt die Schneegrenze sehr weit unten. Durch die hohen Mengen an Niederschlag grünt und blüht Mendoza aber in einer tollen Farbenpracht und verwandelt sich aus der grauen Wüstenstadt in eine grüne Oase. Die Bäume blühen lila- und rosafarben. Hier wird aber auch in trockeneren Jahren ordentlich nachgeholfen. Mendoza verfügt über ein Bewässerungssystem, welches Schmelzwasser des angestauten Rio Mendoza in der ganzen Stadt verteilt. An jeder Straße verlaufen offene Wassergräben. Wiesen werden mit Sprinkler bewässert (häufig in der Mittagssonne) und abends sieht man auch immer mal eine Art Güllewagen durch die Straßen fahren, welcher jede Grünfläche mit einer ordentlichen Ladung Wasser übergießt. Leider landet die Hälfte auf der Straße bzw. läuft danach aus der Wiese auf die Straße. Im Idealfall läuft das Wasser in den nächsten Bewässerungsgraben, ansonsten bleibt es auf der Straße und verdunstet. 

3) Töpfe caput

Unsere Töpfe kann man mittlerweile nicht mehr verwenden. Schon am Anfang war die Qualität nicht so gut, alles brannte am Boden an. Und das wurde dann mit einer Drahtwolle und viel Fit ausgeschrubbt (hier wäscht man unter fließendem Wasser mit seeeehr viel Fit ab,  aber wir haben gleich Stöpsel für das Abwaschbecken gekauft. Trotzdem ist unser Fit durch den intensiven Gebrauch der Brasilianerinnen immer sehr schnell alle.) Leider ist dadurch die Schutzschicht kaputt gegangen und die Töpfe rosten nun. Anfangs war es noch nicht so schlimm, wenn man die Töpfe gleich abwusch und abtrocknete. Wir wiesen die Brasilianerinnen darauf hin, diese nicht nass stehen zu lassen bzw. lieber gar nicht zu benutzen wegen dem Rost, fanden aber regelmäßig die Töpfe in Wasser eingeweicht vor, um den Rost zu entfernen. Wir hörten irgendwann auf, die Töpfe zu verwenden, als unser angesetztes Nudelwasser braun wurde. Aber die Brasilianerinnen kochten munter weiter. Das ganze Haus roch nach Eisen, wenn sie kochten. Das Essen musste absolut ungenießbar sein, aber anscheinend stört das die Brasilianerinnen nicht. Mittlerweile haben wir den Vermietern die Töpfe gezeigt und sie wollen neue kaufen. Wir kochen Nudeln und Reis jetzt in der Pfanne, die noch nicht rostet. Und die Brasilianerinnen leben alle noch. Dafür legen sie das Haus quasi in Schutt und Asche. Naja, ein bisschen. Aber ein Rollo ist schon verschwunden (das habe ich neulich in einem Schrank entdeckt), ein Plastikteller ist in der Mikrowelle leicht geschmolzen, einer Pfanne fehlt der Henkel, Deko fehlt (die ist wohl auch kaputt gegangen) und der Fernseher geht auch nicht mehr (aber da sind sie nicht dran Schuld, das liegt wohl an der Satellitenschüssel).

4) Ofen caput

Auch den Ofen haben wir, zumindestens kurzfristig, etwas vergast und konnten ihn nicht nutzen. Auf der Suche nach unserem Holzkochlöffel fand Caro einen großen Käfer im Ofen. Ana saß mit in der Küche und sprang gleich auf den Stuhl, weil sie dachte, wir haben eine Maus im Ofen gesehen. Aber wir beruhigten sie und versuchten zu erklären, dass das nur ein großer Käfer ist. Wir wollten ihn da rausholen, kamen aber nicht an ihn ran. Ana rief Jessica, die wisse, wie man das macht. Jessica kam mit dem Wischmopp, stocherte ziellos etwas im Ofen herum, schaute dann in den Ofen, entdeckte den "Käfer" und fing an zu kreischen: "Boludas, es una cucaracha!" Eine Kakerlake! Die durfte jetzt nicht mehr leben bleiben, denn sie vermehren sich rasant und können zur Plage werden. Außerdem übertragen sie Krankheiten. Da ihr Todesurteil nun beschlossen war, holte ich das Kakerlakenspray (welches von unserer Bettwanzenaktion noch übrig war) und Jessica sprühte im Prinzip den ganzen Ofen ein, begleitet von einem Kreischkonzert von uns vier Mädels. Denn kurzzeitig saß die Kakerlake hinter dem Ofen und musste irgendwie wieder vorgescheucht werden. Aber das Gift wirkte recht rasch und sie zuckte nur noch mit den Beinchen und landete im Müll. Jessica schrie zwar am lautesten, aber traute sich als einzige an die Kakerlake heran. Ich wollte sie nicht zerquetschen, das fand ich eklig und auch Caro wollte das Tierchen nicht unbedingt töten. Aber jetzt ist sie weg und das ist gut. Das Gift soll noch zwei Wochen wirksam sein, also reinigten wir den Ofen erstmal nicht, falls noch mehr Kakerlaken vorbeischauen. Nach der Aktion mit den rostenden Töpfen wies Caro die Brasilianerinnen vorsichtshalber darauf hin, den Ofen erstmal nicht zu nutzen. Drei Tage später saßen sie aber in der Küche und mampften munter selbstgemachte Empanadas... gebacken im Ofen.

Der Holzlöffel war seit Samstag verschwunden, da hatten wir einen gemütlichen Abend bei uns im Hof mit den Brasilianerinnen und ein paar Freunden. Es war ein sehr lustiger Abend, Fede spielte Gitarre und wir sangen Lieder aus Argentinien, Brasilien und Deutschland (Caro und ich glänzten mehr oder weniger mit 99 Luftballons und Wind of Change...). Es gab selbstgemachte Pizza, Bier, Wein und Caipirinha, nach (fast) original brasilianischer Art. Der Cachaça wurde aber mit Vodka ersetzt. Serviert wurde das ganze mit zerstampften Erdbeeren, Eis und Limettensaft, super lecker. Später gab es statt Erdbeeren Zitronen, auch super lecker. Irgendwann fingen die Brasilianerinnen an, ihre Tänze der Feria Internacional zu tanzen und motivierten uns, mitzutanzen. Wir zogen in die Küche um und tanzten dort weiter. Jessica und Julia brachten uns den Samba-Grundschritt bei, den wir dann auch zu ihrer Zufriedenheit einigermaßen beherrschten. Nur das mit dem Po wackeln haben wir nicht so drauf. Julia meinte, das kommt automatisch, wenn wir den Schritt machen, aber unsere Hüften sind wohl einfach zu steif. Außerdem lernten wir die brasilianische Version des "Las-Ketchup"-Songs (dehä deha dehä dehäbedu dehebe dewisowiwa wuppi wuppi wi usw.), welche ganz schön anders war, ein paar andere brasilianische Tänze und argentinischen Cuarteto. Bis wir alle aus der Puste waren und die Zeit schon ganz schön fortgeschritten war. Caro und Jessica sangen noch eine ganze Weile Karaoke, ihr grauenhafter Gesang verscheuchte uns wieder raus auf den Hof. aber so konnten wir endlich mal Rache an unseren Nachbarn nehmen, die uns schon so manchen Schlaf geraubt haben. Die können nämlich super Musik machen und auch echt toll singen, aber das tun sie leider manchmal die ganze Nacht und das nicht sehr leise. Da helfen dann noch nicht einmal Oropax. Einmal hatten sie anscheinend ein ganzes Orchester da, welches zusätzlich mit den Füßen stampfte (übrigens stehen bei denen im Hof drei große Marihuanapflanzen). Wir genossen draußen jedenfalls die warme Nacht, denn selbst morgens um sechs (ups, wo war denn die Nacht hin...schon so spät???) waren es noch 24°. Auf jeden Fall Wiederholungsbedarf...nur sind die Brasilianerinnen in einem Monat wieder weg, denn alle drei bleiben nur ein Semester (Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht). Wir sind auf jeden Fall total glücklich, noch nicht heim zu müssen, wir haben uns gerade erst so richtig eingelebt und die Brasilianerinnen sind ganz traurig, dass die Zeit hier schon fast vorbei ist. Der Holzlöffel ist mittlerweile übrigens wieder aufgetaucht.

5) Auto caput

Mal zu den Autos hier. Hier fahren eine Menge Autos herum. Eine Menge kaputte alte Autos, frei nach dem Motto: Was noch fährt, fährt. Rostlauben, Schrottautos, alles dabei. Aber manchmal fährt es nicht mehr. So saßen Caro und ich neulich vor dem Gebäude der Ingeniería und beobachteten, wie zwei Studenten versuchten, ihr Auto zu starten. Da das nicht ging, wurde angeschoben. Es kamen immer mehr Menschen dazu und halfen, schoben das Auto vom Parkplatz, einer setzte sich ans Steuer und dann rollte das Auto die Auffahrt hinab. Ob es ansprungen ist, konnten wir leider nicht mehr sehen, gehört haben wir nix. Wäre aber sicher besser, denn es rollte direkt auf die Straße. Auch das Auto unseres Profes war kaputt, deswegen konnte er nicht zur Uni kommen und die Vorlesung fiel aus. Da wir für ein geplantes Modul an der Facultad de Ciencias Agrarias wieder Geld bezahlen müssten, belegen wir nun stattdessen einen weiteren Kurs an der Facultad de Ingeniería und sitzen wieder Freitag Abend und Samstag morgen in der Uni. Im Kurs geht es um die Behandlung von Abfällen und wir müssen wieder eine Belegarbeit schreiben, diesmal aber zusammen. Unser Vorschlag, über den Atommüll in Deutschland zu schreiben wurde abgelehnt, da sich der Profe in diesem Gebiet nicht auskennt. Stattdessen schreiben wir nun über die Entsorgung von Batterien und Akkus in Deutschland. Ähm ja... mal schauen. Die erste Stunde handelte von Abfällen im Krankenhaus, aber eigentlich stellte er ausschließlich einen Parasiten vor, den Leberegel, der sich wohl durch den halben Körper frisst, um zur Leber zu gelangen...urks...sowas gibt es hier??? Außerdem sahen wir Bilder von den Kindern des Profes, da nach 2 Minuten immer der Bildschirmschoner seines Laptops anging.

Achja, und an diesem Abend war auch der Bus caput. Dieser fuhr erst sehr langsam, sehr untypisch für Mendoza. Ich beobachtete, wie der Busfahrer wild schaltete, aber immer noch nicht vorankam. Die Route führt durch das "gefährliche" Viertel, aus welchem uns Juan gleich in unserer ersten Woche hier "gerettet" hat, nachdem wir unsere Karte ausgepackt hatten. Das war auf einer Straße neben dem Viertel mit einem großen breiten Bewässerungsgraben dazwischen. Nun befanden wir uns tief in dem Viertel, als der Motor starb. Der Busfahrer sagte nix, machte die Türen auf und die Leute stiegen aus, als wäre das das normalste der Welt (hier in Mendoza ist das vielleicht wirklich der Fall). Keiner meckerte oder schimpfte, zumindest nicht in unserer Hörweite. Manche nahmen den Bus einer anderen Linie, welcher gerade kam, aber der Großteil machte sich zu Fuß auf den Weg und wir schlossen uns ihnen an und liefen eine Stunde lang heim.

6) Hoftür caput

Auch unsere Tür zum Patio war neulich kaputt. Beim Zuschließen verdrehte sich der Schlüssel im Schloss, sodass man ihn weder drehen noch herausziehen konnte. Wir informierten die Vermieter und weil ihnen das zu heikel war mit einer offenen Hoftür, kamen sie abends um elf noch mit einem dicken Schloss vorbei, um die Tür zu verriegeln. Wohlbemerkt befinden sich hinter unserem Haus eine Autowerkstatt mit mehreren Toren und rundherum viele weitere Grundstücke, über die man klettern müsste, bevor man in unseren Hof gelangt. Da müsste man aber auch erst eine 3 Meter hohe Mauer überqueren (Leitern gibt's aber sicherlich in der Autowerkstatt ;) ). Aber gut, wir gingen extra früher vom Stammtisch heim, um die Vermieter reinzulassen. Sie wollten am nächsten Tag mit einem Schlosser wiederkommen. Die Tür verriegelten sie mithilfe des Schlosses und einem geöffneten Fensters, welches direkt neben der Hoftür war. Als die Vermieter weg waren, zog Caro dann auch den Schlüssel aus dem Schloss, den hatten sie nämlich stecken gelassen. Also wenn sich jemand die Mühe gemacht hätte, über die ganzen Grundstücke zu klettern, dann wäre ihm das Schloss mit dem steckenden Schlüssel sicher sehr entgegenkommend gewesen. Allgemein haben die Menschen hier ein seltsames Sicherheitsgefühl. Julia hat große Angst, abends halb zehn im Dunkeln die 15 Minuten von ihrer Uni (Mendoza hat eine ganze Menge an Universitäten) heimzulaufen, obwohl noch viele Menschen und Autos unterwegs sind. Aber sie lässt abends gerne das Fenster neben der Haustür offen UND den Schlüssel von innen stecken. Ist zwar alles vergittert, aber mit dem Schlüssel kann man ja prima aufschließen. Wir kamen auch neulich gar nicht rein, weil ein Schlüssel von innen steckte. Mauern um Grundstücke sind oben mit Glasscherben bestückt, damit da niemand drüber klettert. Alle Grundstücke sind vermauert und es gibt sogar abgeriegelte Wohngegenden, in die man nur hineinkommt, wenn man Anwohner oder Besucher von Anwohnern ist, da sitzt nämlich ein Portier an der Einfahrt.

Nach meinen Gitarrenstunden bei Fede sitzen wir meistens noch eine Weile bei einem Mate zusammen und reden über alle möglichen Dinge. So erzählte ich ihm, wie sicher wir Deutschland empfinden und was dort so an Diebstählen und Einbrüchen passiert. Wir kamen zu dem Schluss, dass Mendoza nicht gefährlicher ist als Dresden, aber die Leute eben ein anderes Sicherheitsgefühl haben. Was wohl auch daran liegt, dass es in anderen Teilen von Argentinien, v.a. in der Gegend von Buenos Aires, deutlich unsicherer ist.

8) Azimo caput

Wir tauschen unser Geld mit Azimo, einer Firma in London. Wir haben das schonmal erwähnt, aber nie richtig beschrieben. Wird jetzt nachgeholt! An sich ist es sehr leicht und schnell. Am Anfang war uns die Sache nicht so geheuer, aber mittlerweile hat Azimo unsere volle Zufriedenheit. Wir richteten uns auf der Internetseite von Azimo ein Konto ein und luden ein Bild unseres Reisepasses hoch. Dann wurde ein Adressat in Mendoza angelegt, der unser Geld empfängt (natürlich sind das wir) und ebenfalls seine (also unsere) Ausweisdaten hinterlegt. Wr haben jetzt also doppelte Identität, einmal in Deutschland und einmal in Argentinien. An den Empfänger kann man dann eine bestimmte Summe an Geld senden, welches man zunächst an Azimo überweist. Wir nutzen die Funktion Sofortüberweisung, damit können wir das Geld ca. 3 Stunden später an einer Ausgabestelle am Schwarzmarkt abholen. Naja, nicht ganz auf dem Schwarzmarkt. Es gibt hier eine sehr dubiose Galerie, in welcher eine ganze Reihen solcher Läden wie Agenper, unser Abholort, ansässig sind. Draußen stehen aber auch ein Haufen Mitarbeiter herum, die jeden mit "Cambio, cambio", "money change dollars, euros" anlabern, der wie ein Tourist aussieht (und das tun wir hier offensichtlich sehr), als wären sie eine Schallplatte mit Sprung. Jedes Mal, wenn wir vorbeilaufen. Diese haben ihre "Wechselstuben" im Keller der Galerie. Ich bezeichne diese Galerie als Schwarzmarkt und alle "normalen" Läden (ein paar wenige Cafes und Kiosks) dienen sicher nur der Geldwäsche (behaupte ich!). In die Galerie gehen wir immer zu zweit. Das Büro von Agenper ist ein kleiner unscheinbarer Raum mit zwei Schaltern, es wirkt alles sehr offiziell, ist es laut unseren argentinsichen Freunden aber überhaupt nicht. Die Tür ist verschlossen und wird nur geöffnet, wenn Kundschaft rein oder raus möchte. Drinnen reichen wir eine Ausweiskopie ein, zeigen unseren Originalausweis und bekommen dann unser Geld in bar ausgezahlt. Dieses wird sofort in unsere Gürteltaschen verpackt, die wir am Bauch tragen. Und dann sind wir wieder reich. Warum tun wir das? Ganz einfach: Der Wechselkurs ist sehr viel besser, als wenn wir Geld auf der Bank abheben. Der ofizielle Wechselkurs liegt bei ca. 10 Peso für 1€. Bei Azimo bekommt man 15 Peso für 1€. So war jedenfalls der Kurs bei unserem ersten Tausch. Jedoch ist der Kurs nicht konstant, sondern schwankt und im September war er wohl ziemlich gut. Vor kurzem (und zwar da, als wir dringend wieder Geld brauchten) konnten wir quasi zuschauen, wie der Kurs täglich schlechter wurde und sogar bis zu 13 Peso für 1€ absackte. Mittlerweile ist er wieder bei 14,2-14,5 Peso, was wohl der normale Kurs ist. Wir haben jedenfalls die Hochphase ein bisschen verpasst bzw. waren sehr verwöhnt von dieser. Denn mit dem jetzigen Kurs erhalten wir statt 7700 Peso nur noch 7100 Peso (für 495€, wir zahlen 5€ Gebühr pro Transaktion und können mit der Sofortüberweisung maximal 500€ überweisen). Die 600 Peso Unterschied entprechen nach offiziellem Kurs 60 €, die wir weniger erhalten. Wir beobachten jetzt fast täglich die Wechselkurse, damit wir bei einem möglichst guten Kurs tauschen, denn die Kurse schwanken auch tagsüber. Die Frage ist immer: Sinkt oder steigt der Kurs weiter? Überweise ich jetzt, bevor er schlechter wird oder überweise ich jetzt lieber nicht, falls er noch besser wird? Kompliziert, das liebe Geld...

9) Geld caput

Apropos Geld: Mal zu dem Zahlungsmittel hier. Das Geld besteht hier eigentlich nur aus Scheinen, die zum großen Teil abgegriffen, kaputt, geklebt und beschrieben sind. Es gibt einen 2-, 5-, 10-, 20-, 50- und 100-Peso Schein. Außerdem gibt es Münzen: 2 Peso, 1 Peso, 50 Centavos, 25 Centavos und 10 Centavos. Also theoretisch gibt es Münzen. Die sind hier jedoch sehr knapp und man hat eigentlich fast nie welche. An sich finde ich das gut, denn die Geldbörse ist dadurch sehr leicht. Jedoch steht man immer wieder an der Kasse im Supermarkt oder in der Cafeteria und wird nach einem Peso oder 50 Centavos gefragt, die man nicht hat. Der Kassierer kann dann kein passendes Wechselgeld herausgeben. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder der Betrag wird auf- oder abgerundet oder es wird einem ein Bonbon, eine Mandarine o.ä. angeboten (je nach Art des Ladens). Sehr lustig und es passiert relativ oft. Die Produktpreise im Supermarkt sind aber auch mit Preisen ausgestattet, die man niemals passend bezahlen kann, also wird immer auf- und abgerundet. Es sei denn, man zahlt mit Karte, das geht hier natürlich auch.

10) Bett caput

Zum letzten Punkt. Mein Bett ist auch eigentlich nicht kaputt, sondern bewohnt. Nicht nur von mir. Ich habe neulich wieder eine alte Bekanntschaft getroffen. Furchtbar. Nachdem ich seit zwei Wochen von jeweils einzelnen sehr typischen und bekannten Bissen geplagt wurde, war mir klar: Da wohnt wieder mindestens eine Bettwanze in meinem Bett. Also fing ich wieder an, mein Zimmer in Tüten zu packen, den Koffer und andere Dinge mit Kakerlakengift einzusprühen, mein Bett auseinanderzunehmen und den Lattenrost mit Gift einzusprühen. Die Säcke waren schwarz und sollten bei Caro ins Fenster gepackt werden, damit da schön die Sonne drauf brutzelt. Wanzen sterben bei Temperaturen über 50°C, aber diese Temperaturen erreichte ich mit der Aktion wohl nicht. Ich wusch mein Bett und meine Sachen, jedoch nur mit kaltem Wasser (es gibt keinen Warmwasseranschluss für unsere Waschmaschine, ich müsste das mit Hand einfüllen und wohl vorher auf dem Herd erhitzen). Ich hoffte einfach, dass eventuell vorhandene Wanzen im Wasser ertrinken würden und schüttete etwas mehr Waschmittel dazu. Unsere Waschmaschine besteht nämlich aus einer großen Trommel, die mit Wasser volläuft, sich dann ein bisschen hin und her dreht und dann die Wäsche zwei Stunden im kalten Wasser weichen lässt. Einen kleinen Teil packte ich ins Gefrierfach, denn Wanzen sterben auch bei Temperaturen unter -17°C. Leider ist das Fach sehr klein. Dann untersuchte ich mit Taschenlampe den Lattenrost und fand tatsächlich eine sehr benebelte Wanze, welche ich sofort in einem Glas mit Wasser und Fit ertränkte. Sie war sehr groß und mich schüttelte es bei der Vorstellung, dass sowas nachts auf uns herumkrabbelt. Die Stiche an sich waren diesmal nicht so schlimm, sie waren zwar genauso groß, aber es waren maximal 2,3 Stiche und nicht 50. Viel schlimmer ist aber der Psychoterror, den diese kleinen Biester auslösen. Die ersten beiden Nächte habe ich auf dem Boden bei Caro im Zimmer geschlafen, weil mein Zimmer furchtbar nach dem Kakerlakenspray gestunken hat. Seit zwei Nächten schlafe ich wieder in meinem Bett und diese Nacht saß ich mit Taschenlampe im Bett und suchte Bettwanzen. Denn mich krabbelte es am ganzen Körper, natürlich nur alles Einbildung, Stiche habe ich bis jetzt nicht. Ich hoffe, es war nur diese eine Wanze, denn die Stiche stammten vermutlich auch nur von einer. Mal abwarten.

11) Was geschah sonst noch so?

Den Freitagabend vor unserer kleinen Feier im Hof gingen wir aus. Zusammen mit Fede verbrachten wir einen gemütlichen und lustigen Abend vor einer Bar in der Kneipenstraße hier, tranken leckeren Wein und brachten Fede die Spiele "Kommando Pimperle" und "Ich packe in meinen Koffer" bei, welches wir erst auf Deutsch und dann auf Spanisch spielten. Den Sonntag nach unserer kleinen Feier im Hof verbrachten wir im Parque San Martín, genossen dort das schöne Wetter und leckeres Eis und ließen uns im See die Füße von kleinen Fischis putzen. Montag fuhren wir in ein ShoppingCenter, in der Hoffnung, dort vielleicht ein bisschen günstige Kleidung zu finden. Sowas fanden wir natürlich nicht, dafür aber ein Kino. Wir wollen uns jetzt also demnächst die Tribute von Panem auf Spanisch anschauen, da kennen wir immerhin grob die Handlung, denn wir haben die Bücher irgendwann mal als Hörbuch gehört (auf Deutsch!). Dienstag bummelten wir durch das Zentrum und fanden tatsache einige Läden mit günstigerer Kleidung, hatten da aber leider nicht so viel Geld dabei. Müssen wir nochmal hin. Groß Lust zu Bummeln hatten wir diesen Nachmittag eh nicht, den Zonda pustete einen Haufen Dreck, Staub und v.a. Pollen durch die Straßen. Man konnte nicht atmen, die Nase brannte, die Augen waren gereizt (trotz Sonnenbrille) und wir husteten und niesten ohne Ende. Die Hitze war drückend und der Wind sauwarm. Mittwoch hatten wir unsere letzte Stunde in Viticultura, ein Endexamen gibt es hier nicht, erst nächstes Semester. Ob wir das Fach weiterhin belegen, wissen wir noch nicht. Mal schauen. Außerdem kamen zwei Postkarten aus Europa bei uns an, eine schöne Überraschung und wir freuten uns wie kleine Kinder, als wir diese unter dem Türschlitz fanden :D

Den letzten Samstag waren wir bei Fede zum Abendessen eingeladen (nach meiner Wanzenputzaktion). Wir kauften gemeinsam ein und fanden die Alkoholabteilung im Supermarkt gesperrt vor. Zwar wussten wir schon, dass man am Samstagabend vor einer Wahl keinen Alkohol mehr kaufen kann und alles geschlossen hat (außer anscheinend der Supermarkt), aber es war schon ein seltsamer Anblick. Es war die letzte Wahlrunde nach einigen Wahlgängen und eine konservative Partei ist als Sieger hervorgegangen, die wohl etwas weniger korrupt sein soll als die Wahlgegner (die peronistische Partei). Jedenfalls hoffen die Menschen jetzt, dass die Politik etwas besser wird. Nach dem Essen, leckerem Wein und kubanischem Rum spielten wir zunächst ein paar Kartenspiele, bevor wir auf die witzige Idee kamen, uns alle die Augen zu verbinden und fangen zu spielen. Einer war der Fänger und wir rannten blind durch die Wohnung, spitzten unsere Ohren und rannten gegen Stühle und Tische. So verbrachten wir tatsächlich wieder die ganze Nacht...das haben wir eigentlich immer gar nicht vor, aber man fängt hier erst sehr spät an, meist gegen um neun oder zehn und dann verfliegt die Zeit und es wird plötzlich hell.

Ansonsten büffeln wir gerade fleißig Spanisch, denn die Endexamen der Sprachkurse stehen an, Caro hat ihren ersten Teil heute hinter sich gebracht und muss nur noch eine mündliche Prüfung absolvieren. Dafür hält sie einen 15-min Vortrag über die Sächsische Schweiz. Ich habe neben der schriftlichen Prüfung zwei mündliche. In einer stellt jeder in einer lockeren Gesprächsrunde Sitten und Gebräuche seiner Heimat vor, in der anderen müssen wir eine Erörterung zu einem frei gewählten Thema schreiben und diese vorstellen...eigentlich würde ich lieber auch gerne einen Vortrag über die Sächsische Schweiz halten :(

Sooooo, das war es erstmal.

Liebe Grüße, Lisa