Nun möchte ich versuchen, die letzte Woche kurz und knapp zusammenzufassen. Es waren ein paar aufregende Sachen dabei, wie die Überschrift schon verrät!Am Montag saßen wir in der Facultad de Ciencias Agrarias, weil wir einen neuen Wochenblockkurs belegen wollten. Es ging um Oberflächenbewässerung. Also eigentlich ganz interessant. Im Enddefekt haben wir aber nichts verstanden (es standen nur Formeln und Skizzen mit Formelzeichen an der Tafel). Der ganze Kurs sollte fast 2000 Pesos kosten und am Ende des Kurses (also Freitag) musste man eine Powerpointpräsentation halten, die als Prüfung zählte. Uns war unter diesen Voraussetzungen schnell klar, dass wir diesen Kurs nicht mehr belegen werden. Wir holten uns in der Pause nur noch unsere Ergebnisse und die Zertifikate des bestandenen Multiple-Choice-Examens ab. Die Freude darüber war sehr groß. Am Dienstag hätte ich meinen Spanischkurs haben sollen, aber ein weiteres mal konnte ich mich vor Ort nur mit dem Sicherheitsdienst unterhalten, der wieder einmal meinte: "Fällt aus wegen Zonda". Diesmal hatte ich mir das sogar schon gedacht, denn es war tatsächlich ein bisschen windig draußen. Ich verstehe diese Mendoziner in Bezug auf Zonda noch nicht. Ich verstehe, dass der Wind aufgrund der Trockenheit echt doof sein kann, aber dass man immer für einen ganzen Tag die Uni schließen muss, verstehe ich nicht! Als ich wieder zuhause war, war den ganzen Tag kein Windhauch mehr zu spüren. Aber gut. Daran sollten wir uns wohl schnell gewöhnen, sonst fahren wir noch öfter umsonst in die geschlossene Uni. Am Mittwoch stand ein "parcial" auf dem Plan - ein Zwischenexamen in Viticultura. Davon gibt es zwei pro Semester und beide müssen wir bestehen, um an den Endexamen in Viticultura teilnehmen zu dürfen. Wir haben dieses Zwischenexamen definitiv nicht bestanden... wobei... Lisa hat ganz schön viel geschrieben ;) Vielleicht wusste sie alles und besteht das nun? (Anmerkung von Lisa: Definitiv nicht, ich hab irgendwas hingeschrieben, aber eigentlich hatte ich keine Ahnung, was gefragt war). Jedenfalls dürfen wir wohl nach einigen Gesprächen auch mit nichtbestandenen Zwischenexamen am Endexamen teilnehmen, können aber nicht mehr bestehen. Das ist aber auch nicht unser Ziel gewesen. Wir wollen einfach nur das Zertifikat, dass wir teilgenommen haben und somit unsere Pflichtstunden für das Stipendium bestätigt bekommen. Mit unseren momentanen Sprachkenntnissen ist es wahrscheinlich fast unmöglich, alles bestehen zu können.
Am Abend waren wir zu einem Chortreffen von einem Freund in einer Bibliothek eingeladen. Da sagten wir natürlich nicht nein und machten uns gegen 20 Uhr fertig. Es fehlten noch ein paar Handgriffe, dann hätten wir losgekonnt. Aber nein. Plötzlich stand eine brasilianische Mitbewohnerin völlig aufgeregt hinter uns und wollte uns irgendwas mitteilen. Wir guckten uns noch fragend an, weil wir nicht viel verstanden haben. Wussten aber eine Sekunde später auch, was sie uns sagen wollte: ein Erdbeben! Wir standen im 1. Geschoss unseres Hauses und mussten erst einmal schlucken. Alles wackelte unter uns, die Fenster ruckelten, alles klapperte. Nach dem Schlucken waren wir uns alle einig, dass wir raus wollten. Raus aus diesem Haus, das möglicherweise gleich über uns zusammenbricht. Ich schnappte mir die Schlüssel und dann marschierten wir nach unten. Es war gar nicht so einfach, diese Türen schnell aufzuschließen ^^. Wir müssen immer zwei Türen aufschließen, denn eine ist die Sicherheitstür (unser Gitter vor der Tür). Aber ich benutze erst den falschen Schlüssel und alles zitterte. Als wir dann draußen waren, fühlten wir uns gleich sicherer und konnten mehr oder weniger aufatmen, denn die Erde bebte nach wie vor. Das war es also, unser erstes Erdbeben. Mendoza ist wohl anfällig für Erdbeben, aber das war auch ein ungewöhnlich starkes (ließen wir uns sagen). Also unser erstes Erdbeben war gleich ein ungewöhnlich starkes... wir möchten trotzdem keine mehr erleben. Das war fürs Erste genug Adrenalin.
Ein bisschen aufgedreht nach dem Erdbeben trafen wir die beiden Chilenerinnen aus dem Viticulturakurs, um sodann zur Bibliothek zu gehen. Wir berichteten vom erlebten Erdbeben, aber die beiden haben davon nichts mitbekommen, weil sie gerade Bus gefahren sind und das da sowieso immer wackelt wie bei einem Erdbeben. Aber sie fanden es sehr witzig, wie aufgeregt wir waren und versicherten uns immer wieder: "Tranquila, no pasa nada" (Ruhig, es passiert nichts).
Als wir zusammen an der Bibliothek ankamen, waren sie plötzlich mega in Panik und in Sorge. Sie schnappten auf der Straße auf, dass in Chile ein starkes Erdbeben war und machten sich sodann sehr große Sorgen um ihre Familie. Aber versicherten sie uns nicht gerade "no pasa nada"? Wir waren also sehr verwundert über die Reaktion, aber scheinbar passiert in Chile doch öfter mal was. Das Epizentrum des Erdbebens war vor der Küste Chiles, 55 km nördlich von Santiago mit einer Stärke von 8.4. Aufgrund der Meeresnähe von Chile bringt ein Erdbeben auch oft Tsunamis mit sich. Daher auch die plötzliche Panik unserer chilenischen Freundinnen. Aber bei ihren Familien war alles gut, denn sie leben im Süden von Chile und das Beben war im Norden. Aber es kostete auch einigen Menschen das Leben und brachte in Chile viel Zerstörung mit sich.
Die Choraufführungen waren dann sehr schön. Wir hörten Chorgesänge dreier Chorgruppen. Das war wunderschön und die Lieder waren natürlich alle auf Spanisch. Danach gingen wir mit Fedes Chor noch in ein Restaurant und tranken Wein. Auch hier stimmten sie immer wieder das ein oder andere Lied an. Einfach nur herrlich. Fede hat auch irgendwann sehr gut zusammengefasst, wie ich Spanisch verstehe, nämlich GARNICHT. Er erzählt mir immer irgendwas und ich nicke sehr erfreut und grinse dabei. Das signalisiert ihm dann kurz, dass ich es verstehe (ich freue mich eigentlich nur in dem Moment, wenn ich ein zwei Wörter raushöre und glaube zu verstehen, was er mir annährend sagen will). Seine nächste Frage ist dann immer, ob ich das verstanden habe und dann sag ich wieder mit einem sehr großen Grinsen "no". Das finden die hier alle sehr witzig, auf eine liebe Art und Weise. Aber ich versteh ja auch nichts, also grinse ich einfach permanent ^^ das kann ich wenigstens. Am Donnerstag waren wir mit Hausputz dran. Dieser fing damit an, dass Lisa versehentlich das Klo verstopfte und zum Carrefour (unserem Supermarkt) laufen musste, um einen Entstopfer zu suchen :D Eine sehr witzige Aktion. Aber am Ende glänzte alles nach unserer Zufriedenheit. Wir hatten auch sehr viel Spaß, unseren Weg vor dem Haus zu wischen... die Mendoziner (vielleicht auch die Argentinier) haben die Angewohnheit, ihre Wege vor dem Haus zu wischen. Und wir müssen uns ja anpassen, also taten wir dies ebenso. Wahrscheinlich war dieser nach einer Stunde wieder mit sehr viel Staub bedeckt, sodass wir das als sehr sinnlose Aktion einordnen.
Anmerkung von Lisa:
Natürlich ;) Der Markt war aufgrund des Tages der Unabhängigkeit Chiles von Spanien und es gab allerlei schöne chilenische Leckerbissen. Ich gönnte mir eine Empanada mit Käse und Garnelen gefüllt. In Chile isst man nämlich besonders gerne Mariscos, also Meeresfrüchte (bei der langen Küste ja auch nicht verwunderlich). Superlecker. Danach meinten die beiden, wir müssen unbedingt einen Terremoto trinken...ich guckte nicht schlecht. Terremoto heißt Erdbeben auf Deutsch...schon ein bisschen makaber, die Chilenen... Aber diesmal haute mich das Erdbeben glatt um..es war einfach total lecker. Es besteht aus süßem Wein mit einem Schluck Grenadine und Ananaseis...und wir hatten davon einen ganzen Liter. Mjam, wir genossen also dieses Erdbeben und die Sonne. Danach schlenderten wir ein bisschen über den Markt, Caro stieß irgendwann dazu. Es gab lauter schöne Handwerkssachen, wir kamen an denen natürlich mal wieder nicht vorbei...Caro kaufte sich eine schöne Umhängetasche und ich einen handgefertigten Gürtel. Am Abend waren wir noch schnell im Goethe-Institut unsere Übersetzungen der Führungszeugnisse bezahlen. Ich war am Nachmittag schon dort, aber mir fehlten dummerweise 10 Pesos zum Bezahlen. Trotzdem gab mir die Sekretärin die Dokumente mit und meinte, ich soll einfach ein anderes Mal zum Bezahlen vorbeikommen. Sehr nett.
Also, bis bald. Grüße von Lisa. Jetzt macht Caro wieder weiter:
Am Samstag hatten wir wieder einen neuen Kurs. Der findet nun wöchtenlich mal Freitags oder mal Samstags statt. Es geht um die Umweltplanung von Wasserressourcen. Sehr interessant. Mit uns hat eine neue Austauschschülerin angefangen. Die ist erst ein paar Tage hier und saß während des Erdbebens im Flugzeug von Santiago nach Mendoza. Wir brauchten nicht lange raten, woher sie kommt. Natürlich ist es wieder eine Brasilianerin. Wir sind ja hier schließlich brasilianifiziert. Sie kann aber auch kaum Spanisch und die Wörter, die sie kann, verstehen wir kaum. Eine Unterhaltung mit ihr war also sehr schwer. Nach dem Kurs trafen wir uns wieder mit unseren Chilenerinnen, um auf dem chilenischen Markt zu essen und wieder Terremoto zu trinken. Ein wunderbares Getränk :D. Als wir dann ca. 17 Uhr im Haus waren, sind wir ins Bett gefallen. Ich glaube, wir bekommen zeitweise garnicht mit, wie anstrengend das hier eigentlich alles noch für uns ist. Ich habe jedenfalls bis heute früh um 8 durchgeschlafen und hätte noch 5 Stunden länger schlafen können, wenn mich mein Wecker nicht geweckt hätte. Deshalb gibt es heute müde Grüße von mir, Caro